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Wäscheleinen-Andacht Nr. 5

Evangelische Kirchengemeinde Altenbochum-Laer
Veröffentlicht von Silke Häger in Andacht · 10 Mai 2020
Predigt als pdf Dokument


      
Wäscheleinenandacht Nr. 5
Kantate (10. Mai) 2020
evangelische Kirchengemeinde Altenbochum – Laer
Textgrundlage: 2. Chronik 5, 2 – 14
Singt dem Herrn ein neues Lied! (Psalm 98, 1)
Wie gerne würden wir dieser Aufforderung nachkommen, nicht nur heute, am Sonntag Kantate (deutsch: Singet)! Wie schön wäre es, in der Kirche oder im Gemeindehaus zu sein, gemeinsam zu singen und Gott zu loben! Wie gerne würden wir mal wieder so richtig Gottesdienst feiern!
Aber noch immer ist in dieser Zeit der größte Liebesdienst am Nächsten, Abstand zu halten. Noch immer gilt: am besten zu Hause bleiben! Und miteinander singen – das geht schon gar nicht, jedenfalls nicht in der Kirche oder im Gemeindehaus. Denn das erhöht die Ansteckungsgefahr um ein Vielfaches.
Klar täte es gut, in den vertrauten Räumen die vertrauten Menschen wiederzusehen! Und natürlich wäre es schön, wenn die Krise vorüber wäre und ein bisschen von der alten Normalität zurückkehrte! Noch i s t es aber nicht so. N o c h müssen wir uns mit dem begnügen, was wir haben: Fernsehgottesdienste und Wäscheleinenandacht, Kurzgottesdienste des Kirchenkreises, Videoandachten und Podcasts.
Und  - ehrlich gesagt – das ist doch eine ganze Menge! Und wer sagt eigentlich, das seien keine „richtigen“ Gottesdienste und „richtig“ sei  allein der sonntägliche Gottesdienst in der Kirche oder im Gemeindehaus?
Lange war das Volk Israel gewandert. Immer unterwegs, nirgendwo blieben die Menschen eine längere Zeit. Und natürlich lohnte es sich nicht, für die kurze Zeit, die sie an einem Ort verbrachten, feste Häuser zu bauen. Sie wohnten in Hütten und Zelten. Und genauso provisorisch war auch die Bundeslade untergebracht. (In der Bundeslade waren die beiden Tafeln des Bundes, den Gott mit Israel geschlossen hatte.) Gott aber war immer mit ihnen, und er fand immer Mittel und Wege, Arten und Weisen, ihnen zu begegnen.
Nun hatten sich die Israeliten niedergelassen, hatten für sich Wohnhäuser gebaut und für Gott den ersten Jerusalemer Tempel. Dort konnten, so freuten sie sich, von nun an endlich „richtige“ Gottesdienste gefeiert werden.  Endlich hatte all das Provisorische ein Ende, jubelten sie.
Und sie bereiteten den ersten Gottesdienst im neu gebauten Tempel vor. In diesem Gottesdienst sollte die Bundeslade ins Allerheiligste im Tempel getragen werden. König Salomo versammelte alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen in Jerusalem. Jeder wusste genau, wo er zu stehen hatte und was er tun sollte - eigentlich. Und so wird die Bundeslade vor den Tempel gebracht. Aber der König Salomo und die ganze versammelte Gemeinde sind so beschäftigt mit Vorbereitungen, und sie überbieten sich gegenseitig in dem, was sie tun. So bekommen sie leider nur am Rande mit, dass die Bundeslade nun da ist und in den Tempel getragen werden soll. Und es sieht sogar ein bisschen so aus, als ob ihnen die Bundeslade, das Zeichen der Gegenwart Gottes, um die es eigentlich gehen sollte im ersten „richtigen“ Gottesdienst im Tempel, gar nicht so wichtig wäre wie das, was sie selbst gerade tun..... Also wird die Bundeslade ungeachtet all des Arrangements drumherum ins Allerheiligste gebracht. Und viele Anwesende gehen ganz in den Feierlichkeiten auf und lassen sich durch die Bundeslade überhaupt nicht stören. Der „richtige“ Gottesdienst, auf den sich die Gemeinde so sehr gefreut hatte, droht gerade, völlig in die Hose zu gehen, zumal auch die Priester kreuz und quer aus dem Heiligtum kommen, denn die Priester „hatten sich geheiligt, ohne auf die Abteilungen zu achten“, heißt es (2.Chr. 5,11). Was für ein Chaos!
Und dabei hatten sie sich doch solche Mühe gegeben! Einer wollte besser sein als der andere. Jede  tut, was sie kann, sie überbieten einander an Eifer und Ehrgeiz und geraten gerade dadurch in Gefahr, an ihrem Gott vorbei zu feiern und damit eben k e i n e n „richtigen“ Gottesdienst zu haben.
Seltsam und bezeichnend zugleich: So viele Jahre, während der ganzen Wanderschaft des Volkes Israel trugen die Israeliten die Bundeslade immer bei sich. Sie war das Wichtigste, das sie hatten. Die beiden Tafeln darin hielten ihnen stets ihren Gott vor Augen und erinnerten sie an den Bund, den er mit ihnen geschlossen hatte. Sie vertrauten ihrem Gott und verließen sich darauf, dass er ihnen immer wieder begegnen und nahe sein würde. All die Jahre ist alles gut gegangen, all die Jahre lebten sie in der Gegenwart ihres Gottes. Und gerade jetzt, als sie ihrem Gott einen Tempel gebaut haben und die Lade dort ein endgültiges Zuhause finden soll, als sie endlich einen „richtigen“ Gottesdienst nach ihren Vorstellungen feiern wollen, da geht alles schief. Jede macht, was sie will,  jeder will besser sein als der andere, niemand fragt mehr nach Ordnungen, Regelungen und Abteilungen, und in all diesem Gerangel und Durcheinander wird die Bundeslade fast unbemerkt ins Allerheiligste getragen. Ein durchgeplanter Gottesdienst, leider ohne Gott.
Aber dann fangen drei Leviten – Asaf, Heman und Jedutun an zu singen, ihre Söhne und Brüder lassen sich anstecken und stimmen ein, und sie begleiten ihren Gesang mit Zimbeln, Psalter und Harfen. Nun machen auch 120 Priester mit, die bei ihnen stehen. Sie nehmen ihre Trompeten und musizieren mit.
„Und es war, als wäre es e i n e r, der trompetete und sänge, als hörte man e i n e Stimme loben und danken dem Herrn.“ (2. Chron. 13) Und man hörte die Stimme loben: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währet ewig!“
Und d a wird der Tempel erfüllt mit der Gegenwart Gottes wie mit einer Wolke, und er wird zum Haus des Herrn. Und die Herrlichkeit des Herrn erfüllt das Haus Gottes.
Was können wir aus dieser Geschichte mitnehmen in unsere Zeit, in unsere Situation?
1. Sicherlich, dass es nicht wichtig ist, wo und wie wir Gottesdienst feiern. Und dass Gottes Gegenwart das einzige Kriterium für einen „richtigen“ Gottesdienst ist.
2. Wir können uns anstrengen, wir können uns Gedanken machen und vorbereiten, und das ist gut und richtig und wichtig. Aber wir haben es nicht in der Hand, wir können es nicht „machen“, dass ein Gottesdienst zum Gottesdienst wird.
3. Wenn das Lob Gottes ansteckend ist, wenn immer mehr Menschen einstimmen  und davon erzählen, wie gut es unser Gott mit uns und mit seiner ganzen Schöpfung meint, wenn alle wie mit e i n e r Stimme von den großen Taten unseres Gottes und von seiner Treue erzählen, dann, dürfen wir hoffen, ist unser Gott dabei.
Singt dem Herrn ein neues Lied!  Vor allem muss die Art und Weise neu sein, wie wir es singen! Weil wir es in gewohnter Weise nicht singen können und nicht singen dürfen.
Wann immer Menschen auf Balkonen und in Gärten abends „Der Mond ist aufgegangen“ singen, wenn Posaunenchöre, andere Musiker und Sängerinnen an Ostersonntag „Christ ist erstanden“ musizieren, wenn wir Fernsehgottesdienste mitfeiern, die wöchentliche Wäscheleinenandacht hören, sehen oder lesen, wenn wir uns die Kurzgottesdienste des Kirchenkreises ansehen, wenn wir die Podcasts hören, wenn wir musizieren und die Fenster dabei weit aufsperren – dann singen wir ein Lied, das unserer Situation und unserer Zeit angemessen ist und darin so ganz anders als früher – dann s i n g e n wir ein n e u e s Lied. Und wir singen mit e i n e r Stimme, jedenfalls für den Moment. Und dann, so können wir gewiss sein, ist unser Gott nicht weit.
Lasst uns unserem Gott die Ehre geben, lasst uns ihn ehren mit unseren Fähigkeiten, Möglichkeiten und Ideen, in aller Verschiedenheit und verantwortungsvoll gegenüber unserem Nächsten, der Situation angemessen und doch mit e i n e r Stimme!
S o feiern wir „richtig“ Gottesdienst, weil  die Herrlichkeit des Herrn bei uns einzieht!
Ihre
     Pastorin
                Silke Häger
Tel.: 0234/ 5478760


evangelische Kirchengemeinde
Altenbochum-Laer
Wittener Str. 242
44803 Bochum
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