blog - Evangelische Kirchengemeinde Altenbochum-Laer



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Herausgegeben von Silke Häger - 2/8/2020
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Herausgegeben von Claudia Frank - 14/6/2020
Aktuelles

Wäscheleinen Andacht Nr. 9

Evangelische Kirchengemeinde Altenbochum-Laer
Veröffentlicht von Claudia Frank in Andacht · 31 Mai 2020



      
Wäscheleinen-Andacht zu Pfingsten 2020
„Zu Pfingsten waren die Geschenke am geringsten, während Ostern, Geburtstag oder Weihnachten uns was einbrachten!“  Von Bertolt Brecht ist das und recht hat er! Pfingsten wartet zwar mit Miniferien auf – aber eigentlich wissen viele gar nicht so recht, wie ihnen damit geschieht. Was feiern wir da eigentlich genau? Es gibt auch kaum landläufige Traditionen: Kein Eierfärben, kein Familienfest, keinen geschmückten Baum – nichts. Außer schulfrei eben. Und trotzdem: Mit einem Doppelfeiertag ist Pfingsten zumindest aus der Perspektive des Feiertagskalenders gleich hoch aufgehängt wie Ostern oder Weihnachten. Und trotzdem weiß angeblich nicht mal die Hälfte der Deutschen, worum es an Pfingsten eigentlich geht – was immer man auf solche Statistiken geben mag. Gemessen am biblischen Befund und an der kirchengeschichtlichen Bedeutsamkeit des Pfingstgeschehens ist das … naja, zumindest überraschend!
Fünfzig Tage nach Ostern, also dem ganz ursprünglichen Ostern, muss den verschreckt- verängstigten Jüngerinnen und Jüngern in Jerusalem irgendwas sehr Einschneidendes passiert sein. Mutlos-verzagt nach Jesu Rückkehr in sein himmlisches Dasein hatten sie allen Grund als dessen Anhängerinnen und Anhänger um ihr Leben zu fürchten. Zu viele, zu mächtige Leute in Jerusalem waren nicht besonders gut auf den Messias und seine Gefolgschaft zu sprechen. Und so hatten sie sich gemeinsam verschanzt und die Schotten dicht gemacht. Bis schließlich an Shavuot, dem jüdischen Wochenfest, sich wirklich Spektakuläres ereignet hat:
1Als der 50. Tag, der Tag des Wochenfestes, gekommen war, waren sie alle beisammen. 2Da kam plötzlich vom Himmel her ein Tosen wie von einem Wind, der heftig daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten. 3Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. 4Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden; wie die Geistkraft es ihnen eingab, redeten sie frei heraus. 5Unter den Jüdinnen und Juden, die in Jerusalem wohnten, gab es fromme Menschen aus jedem °Volk unter dem Himmel. 6Als nun dieses Geräusch aufkam, lief die Bevölkerung zusammen und geriet in Verwirrung, denn sie alle hörten sie in der je eigenen Landessprache reden. 7Sie konnten es nicht fassen und wunderten sich: »Seht euch das an! Sind nicht alle, die da reden, aus Galiläa? 8Wieso hören wir sie dann in unserer je eigenen Landessprache, die wir von Kindheit an sprechen? 9Die aus Persien, Medien und Elam kommen, die in Mesopotamien wohnen, in Judäa und Kappadozien, in Pontus und in der Provinz Asien, 10in Phrygien und Pamphylien, in Ägypten und in den zyrenischen Gebieten Libyens, auch die aus Rom Zurückgekehrten, 11von Haus aus jüdisch oder konvertiert, die aus Kreta und Arabien kommen: Wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden.« 12Sie alle konnten es nicht fassen und waren unsicher; sie sprachen zueinander: »Was mag das sein?« 13Andere aber spotteten: »Sie sind mit Federweißem abgefüllt.«
14Als dann Petrus, zusammen mit den elf anderen, auftrat, erhob er seine Stimme und redete zu ihnen frei heraus: »Meine jüdischen Landsleute und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sollt ihr wissen! Schenkt meinen Worten Gehör! 15Diese hier sind doch nicht betrunken, wie ihr annehmt. Es ist ja erst die dritte Stunde am Tag. 16Es handelt sich vielmehr darum, was durch den Propheten Joel gesagt ist: 17Sein wird's in den letzten Tagen, spricht °Gott, da will ich von meiner °Geistkraft ausgießen auf alle °Welt, dass eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden, eure jungen Leute Visionen schauen und eure Alten Träume träumen. 18Auch auf meine °Sklaven und auf meine Sklavinnen will ich in jenen Tagen von meiner Geistkraft ausgießen, dass sie prophetisch reden. 19Und ich will Wunder wirken am Himmel oben und Zeichen auf der Erde unten: Blut und Feuer und qualmenden Rauch. 20Die Sonne wird sich in Finsternis verkehren und der Mond in Blut, bevor der Tag Adonajs kommt, groß und glanzvoll. 21Sein wird's, dass alle gerettet werden, wer immer den Namen Adonajs anruft.
(Apostelgeschichte 2, 1-21 )
Völker aus aller Herren Länder tummeln sich in der Stadt. Stimmengewirr. Sprachenverwirrung. Misstrauen und Angst. Plötzlich ein Brausen, ein Toben, Feuer und Wind. Und dann klart der Himmel auf und es klärt sich alles: Jede versteht jeden. Fremde kommen zusammen. Einzelne werden zu einer Gemeinschaft.  Auf einmal sind alle gleich. Niemand ist gleicher. Und das alles ganz ohne Alkohol und ohne andere Drogen.
Was nach großem Hokuspokus klingt, ist nichts weniger als der Startschuss fürs Christentum: Die Geburtsstunde der Kirche. Die Wurzel unseres kirchengemeindlichen Lebens. Das ist Pfingsten.
Vielleicht doch nicht so unbedeutend. Vielleicht lohnt es sich tatsächlich, das zu wissen. Und sich das ab und zu auch mal wieder bewusst zu machen: Gottes Geist weht. Keineswegs nur damals in Jerusalem. Er weht. Und er erinnert uns daran, wie wir von Gott gedacht sind: Nämlich als seine Ebenbilder, die geschwisterlich in seiner Kraft und in seinem Sinn miteinander verbunden sind. Den Geist Gottes bringt so schnell niemand zum Schweigen. Keine 2000-jährige Geschichte voller Irrungen und Wirrungen. Voller Sternstunden und voller finsterer Kapitel.
Was auch passiert, was immer wir Menschen tun oder auch lassen: Gottes Geist weht und wirkt einfach weiter.
Die Geschenke sind zu Pfingsten am geringsten. Das stimmt. Bedeutungslos ist Pfingsten deswegen noch lange nicht. Auch 2020 nicht.
Bochum zu Pfingsten 2020, Pfarrerin Claudia Frank


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