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Wäscheleinen Andacht Nr. 18
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Aktuelles

Wäscheleinen Andacht Nr. 18

Evangelische Kirchengemeinde Altenbochum-Laer
Veröffentlicht von Silke Häger in Andacht · 2 August 2020
      
Mitwirkende


Wortbeitrag & Gesang: Pfarrerin Silke Haeger
Titelfolie: Eike Grevel, Kurt Rommel
Gesang, Gitarre, Video- & Audioaufnahmen: Siegfried Kühn
Videoschnitt: David Kreutz





Andacht zum Monatsspruch Psalm 139, 14 und mit Johannes 9, 1-7
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele (Psalm 139,14). Und eine Heilungsgeschichte (Johannes 9, 1-7). Die Geschichte, in der Jesus einen Menschen heilt, der blind geboren war.
Merkwürdig: Die Heilung steht in dieser Geschichte gar nicht im Mittelpunkt. Jesus geht nicht auf den blind Geborenen zu, und der blind Geborene sucht Jesus nicht auf, um geheilt zu werden – die Heilung eines blind Geborenen war für die Menschen zur Zeit Jesu ganz und gar unvorstellbar, vollkommen unmöglich und kam deshalb gar nicht in Betracht.
Der blinde Mann sitzt an seinem Platz, da, wo er immer sitzt und um Almosen bittet. Jesus geht mit seinen Jüngern seines Weges, und vermutlich unterhalten sie sich angeregt. Im Vorübergehen sehen sie dann diesen Mann. Und wahrscheinlich hätte Jesus den Mann auch nicht weiter beachtet, denn alles ist ja in Ordnung: Der Mann ist an seinem Platz. – Jesus ist auch an seinem Platz. Der Mann lebt seinen Alltag, Jesus und seine Jünger auch.
Aber dann stellen seine manchmal etwas übereifrigen Jünger diese Frage, die in dieser Situation völlig unangebracht und taktlos ist und den Mann zu einem Objekt der Diskussion herabwürdigt: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“
Na, da wollen es aber welche genau wissen! „Wenn jemand so hart und unwiderruflich eingeschränkt ist“, denken sie mit den Menschen ihrer Zeit, „dann muss ja entweder dieser Jemand oder dessen Eltern eine schwere Schuld auf sich geladen haben.“ Die Jünger sind gründlich. Sie wollen wissen, ob sich der Mann sein Schicksal selber zuzuschreiben hat oder seinen Eltern.
„Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“
Jesus lenkt den Blick weg von der Blindheit hin auf den ganzen Menschen. Ein Mensch lässt sich doch nicht nur auf eine Eigenschaft beschränken! Das, was einen Menschen ausmacht, ist doch etwas ganz anderes! Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. - So, wie wir sind, sind wir vor Gott gut – gewollt und geliebt – so verschieden wir auch sind. Denn wunderbar sind Gottes Werke.
So, wie wir sind, nimmt Gott uns zugleich in die Verantwortung. Jede an ihrem Platz. Jeden an seinem Platz.
„Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat.“, fährt Jesus fort.
Wir – beide – Jesus und die Jünger u n d der blind geborene Mensch.
Wir -  die, die wir uns nicht als benachteiligt wahrnehmen und die, die wir wegen ihrer Lebensumstände bedauern.
Wir in unserem  Hier und Jetzt in unserer Unvollkommenheit und mitunter beklagenswerten Zuständen und Umständen, mit und unter denen wir leben. Und wir, die wir glücklich und zufrieden sind mit uns und mit unserem Leben.
Wir alle, die wir Gott als unseren liebevollen Vater erkennen, die wir Jesus Christus vertrauen, die wir glauben, dass Jesus in allem, was er tat, in Gottes Sinne handelte.
Wir müssen die Werke Gottes wirken. Wir alle. Wir alle stehen in unserer Verschiedenheit als wunderbare Werke unseres großen Gottes in der Nachfolge Jesu Christi.
Am Ende der Geschichte schickt Jesus den blind geborenen Mann zum Teich Siloah, damit er sich dort wäscht.
Der Mann hört auf Jesu Wort und verlässt seinen angestammten Platz, macht sich auf und kommt als Sehender zurück.
Nüchtern und unspektakulär wird davon erzählt.
Dabei hatte es eine Heilung eines blind geborenen Menschen bis dahin noch nie gegeben!
Und außerdem hätte der Mann ja auch anders reagieren können: Er hätte einfach sitzen bleiben können und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Denn es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, dass Menschen sich von Gottes Wort ansprechen und in Bewegung setzen lassen. Nicht jeder, der Jesu Wort und Gottes guten Willen für seine Geschöpfe und für die Welt hört, lässt sich davon ansprechen!
Und ehrlich – dazu gehört schon Mut. Und man braucht Vertrauen. Den Mut, seinen angestammten Platz zu verlassen und sich auf Neues einzulassen. Und Vertrauen, dass es einen anderen, einen neuen Platz geben wird, an dem ich leben kann.
Der nun sehende Mensch weiß noch gar nicht, was ihn nun alles erwartet in diesem ganz anderen Leben. Ja, es ist gut, und er hat neue Perspektiven und Möglichkeiten. Aber er wird auch auf neue Schwierigkeiten stoßen – er muss zum Beispiel eine Arbeit finden, um nun seinen Lebensunterhalt selbst aufzubringen.
Die neue Situation, den neuen Platz möchte man erst einmal kennenlernen und sich darin orientieren. Zugleich muss man sofort in ihr leben und handeln.
Zugleich gilt weiterhin: Es sollen Gottes Werke offenbar werden an ihm.
Eins dürfte sicher sein: Der ehemals blinde und nun sehende Mensch dürfte zu Beginn des Tages, als er wie gewohnt auf seinem Platz saß, nicht darauf gefasst gewesen sein, dass sich sein Leben auf einen Schlag ungebeten so radikal verändert.
Mit unserem Gott können wir schon mal Überraschungen erleben! Da kann schon mal etwas in Bewegung geraten, Verkrustungen können aufbrechen, und es kann sogar sein, dass man sich am Ende des Tages auf einem anderen Platz wiederfindet als dort, wo man den Tag begonnen hat. So wie der Mann aus der Geschichte, der am Anfang auf seinem gewohnten Platz sitzt und sich am Ende  mit einem ganz anderen Platz vertraut machen darf.
Eins ist gewiss: Auf welchem Platz auch immer wir uns gerade befinden - wir sind auf diesem Platz zu dieser Zeit in dieser Situation wichtig und genau die Richtigen.
Darum: Trauen Sie sich! Im Vertrauen auf Gott, der seine Werke offenbar werden lassen will an uns und dessen wunderbare Werke jede und jeder von uns ist.
Und sagen Sie es sich dann und wann zur Sicherheit immer mal wieder selbst: Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Mit herzlichen Grüßen
           
Ihre
Pastorin
Silke Häger
                                                                                    
                                                                                      
Telefon: 0234/54787607


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