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Wäscheleinen Andacht Nr. 11

Evangelische Kirchengemeinde Altenbochum-Laer
Veröffentlicht von Claudia Frank in Andacht · 14 Juni 2020

      
Wäscheleinenandacht zu Apostelgeschichte 4, 32-35
In seinem ersten Jahr in Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, gerät der Zauberschüler Harry Potter auf einem seiner nächtlichen Streifzüge durch das Schloss zufällig in den Raum der Wünsche. Darin steht - unter vielem anderen natürlich - ein Spiegel. Auf das Waisenkind Harry übt der Spiegel Nerhegeb - rückwärts gelesen heißt das Begehren -  eine magische Anziehungskraft aus. Immer wieder will er hinein sehen, denn in diesem Spiegel sieht er sich er selbst, und zwar umringt von seiner Familie, die er in Wirklichkeit nie kennen gelernt hat. Sein bester Freund Ron, der immer im Schatten seiner älteren Brüder steht, sieht sich in dem Spiegel als Schulsprecher: Endlich anerkannt, respektiert, bewundert! „Der Spiegel zeigt uns nicht mehr und nicht weniger als unseren tiefsten, verzweifeltsten Herzenswunsch“, erklärt der Schulleiter Albus Dumbledore Harry als er ihn eines Nachts in dem Raum erwischt. „Es ist nicht gut, wenn wir nur unseren Träumen nachhängen und vergessen zu leben“, mahnt er.
Ist es nicht gut, wenn wir unseren Träumen nachhängen? Lukas hält am ersten Sonntag nach Trinitatis mit einer Utopie dagegen:
“Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele. Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum. Sondern alles, was sie hatten, gehörte ihnen gemeinsam. (…) Keiner von ihnen musste Not leiden. Wer Grundstücke oder Gebäude besaß, verkaufte diese und stellte den Erlös zur Verfügung. Davon erhielt jeder Bedürftige so viel, wie er benötigte.“  (Apostelgeschichte 4, 32-35)
Die ganze Gemeinde ein Herz und eine Seele. Niemand hat Hunger, niemand leidet Mangel, weil alle alles miteinander teilen. Alle sind einig und nett zueinander. Das klingt traumhaft  - im wahrsten Sinn des Wortes! Und genau deswegen hat es auch herzlich wenig mit unserer Wirklichkeit zu tun. Erzählt uns Lukas bloß  ein Märchen? Keine Ahnung! Vielleicht haben die ersten Christinnen und Christen ja wirklich so gelebt, kann ja sein. Aber selbst wenn nicht: Als Schriftsteller darf Lukas erfinden. Und er entwirft hier ein Szenario, das zwar unerreichbar scheint, aber möglich ist. Eine Utopie also. Poetischer gesagt: Lukas träumt einen Traum für uns. Den Traum von etwas Heilem. Von der Chance auf Heilung. Lukas träumt den großen, fast zeitlosen Traum von der Überwindung von Eigennutz  und Ungerechtigkeit. Zu allen Zeiten gab und gibt es Menschen, denen dieses Ideal ein wirklich großes Anliegen ist.
Was ist dein Anliegen an die Welt? Was ist dein Herzenswunsch für dich selbst? Worin wurzelt deine tiefste und verzweifeltste Sehnsucht? Ich bin sicher, da gibt es was…
„Im Grunde ist das Geheimnis des Lebens, so zu tun, als hätten wir das, was uns am schmerzlichsten fehlt.“  Das rät Cesare Pavese, ein italienischer Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Aber wie schwer ist das, wenn unser Herz einen echten, tiefen Mangel leidet. Wenn unsere Seele sich unvollständig fühlt, weil jemand oder etwas so sehr fehlt, dass es weh tut. Wie soll ich dann so tun, als fehlte mir nichts?
Ob für mich persönlich, für unsere Kirchengemeinde oder für die  Welt: Alles Gute beginnt mit einem Traum davon! Vielleicht ist der Traum von etwas tatsächlich ein Startschuss. Aus Träumen können Visionen entstehen. Bahnbrechende Ideen, die sich tatsächlich verwirklichen lassen.
„Es ist nicht gut, wenn wir nur unseren Träumen nachhängen und vergessen zu leben.“ Der weise Zauberer hat ja recht. Wenn unsere Sehnsucht ausschließlich in die Vergangenheit weist, könnten wir tatsächlich vergessen zu leben. Denn leben heißt voran gehen. Nicht stehen bleiben. Nach vorn gucken, nicht zurück. Was unumkehrbar vergangen ist, kann keine Zukunftsvision mehr werden.
Den Traum von einer heileren Zukunft zu leben - das lohnt sich allerdings! Und um nach vorn zu gehen, brauch ich Visionen. Die Welt braucht vielleicht keine selbstvergessenen Traumtänzer. Aber die Welt braucht Träumende! Menschen mit Visionen und mit Zielen, die sich verwirklichen lassen. Stell dir vor, Lukas Traum von Heilung würde wahr. Heilung für dein eigenes Leben. Für unsere Kirchengemeinde. Für die Welt. Stell dir einfach nur mal vor, wie sich das anfühlen könnte! Da geht was! Und das könnte der Startschuss für eine neue Wirklichkeit sein.
Bochum, zum 1. Sonntag nach Trinitatis 2020, Pfarrerin Claudia Frank


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Altenbochum-Laer
Wittener Str. 242
44803 Bochum
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